Shitstorm – und jetzt?

Wie sie als Unternehmer im Internet Ihre Haltung wahren.

Als Politiker sollte man sich im Idealfall doch der immensen Kraft der Medien in der öffentlichen Diskussion bewusst sein, dementsprechend sollte es CDU-Generalsekretär Peter Tauber eigentlich besser wissen. Dennoch löst er erst vor Kurzem mit einen Tweet zu Mini-Jobbern einen Shitstorm aus, der nicht so einfach abzuwenden schien. Vor dem Hintergrund der Diskussion der CDU und CSU zum neuen Wahlprogramm tweetet er vom Versprechen der Vollbeschäftigung bis 2025. Nachdem eine Userin dieses Versprechen kritisch hinterfragt („Heißt das jetzt drei Minijobs für mich?“) schreibt er „Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“ Davon mag man jetzt denken, was man will – dennoch ist genau dieses Phänomen „Shitstorm“ auch für Unternehmer interessant.

 

Willkommen in Dell Hell

Man nehme beispielsweise Dell. 2005 nahm das Unternehmen einen Blog-Eintrag, das die Produkte und den Kundenservice des Computer-Herstellers kritisierte, nicht ernst – ein fataler Fehler, denn eine wahre Flut an enttäuschten Kunden schloss sich dem Blogger an. Diese sogenannte „Dell Hell“ gilt als einer der ersten Shitstorms.

 

Ihr könnt nach Hause fahren…

Im Stadionmagazin „Echt“ der Borussia Dortmund warb die Sparda-Bank einst für deren „schwarz-gelbe Karte“. Eigentlich ziemlich gut durchdacht, in Anbetracht der Farben des BVB – allerdings wurde beim verwendeten Foto am PC gemogelt und ein gravierender Fehler gemacht: Der abgebildete „BVB-Vorsinger“ in schwarz-gelb hält ein Megaphon in der Hand, das mit einem Aufkleber der Ultras Gelsenkirchen versehen ist – einer Fangruppierung des Erzfeindes Schalke 04. Klar, dass da der Aufschrei auf Facebook, Twitter & Co. nicht lange auf sich warten ließ…

 

Selbstauskunft?

Auf Facebook geben User Daten an, die sie gerne selbst preisgeben möchten. Dachte sich jedenfalls die SCHUFA, als sie das Hasso-Platner-Institut der Uni Potsdam beauftragte, für die Recherche zur Kreditwürdigkeit auch soziale Medien anzuzapfen. Die harte Kritik seitens Politikern, Datenschützern und Usern war eigentlich abzusehen, der resultierende Shitstorm bewegte die SCHUFA wohl dann auch dazu, von diesem Projekt abzusehen.

 

For You. Vor Ort.

Diese denglische Sprachvariante, die Schlecker in einem neuen Werbe-Slogan nutzte, rief die Fachzeitschrift „Deutsche Sprachwelt“ auf den Plan, die daran berechtigte Kritik äußerte. Soweit noch kein Shitstorm. Schlecker erlaubte sich jedoch eine Verteidigungsstrategie, die gehörig in die Hose ging: Laut Unternehmenssprecher spreche das Motto den durchschnittlichen Schlecker-Kunden an: Menschen mit niedrigem bis mittlerem Bildungsniveau. Die Shitstorm-Klatsche folgte auf dem Fuße.

 

Oh nein, der Regenwald!

Den Vorwurf, Nestlé würde durch die Herstellung des Schokoriegels KitKat mittels Palmöl dem Regenwald und damit dem Lebensraum der Orang-Utans schaden, packte Greenpeace 2010 in ein YouTube-Video – woraufhin sich eine wahre Flut an kritischen Kommentaren auf der Facebook-Seite von Nestlé entlud. Dass Nestlé die Kommentare löschen ließ, verbesserte die Situation kaum – im Gegenteil, der Shitstorm wurde immer krasser.

 

Fleisch & Bank

Im Jahre 2011 verspeiste Dirk Nowitzki als Testimonial in einem Werbespot der ING-DiBa in einer Fleischerei eine Scheibe Wurst. Auf Facebook prangerten Vegetarier und Veganer diese Tatsache an. Das interessante hierbei: Viele Kunden solidarisierten sich mit dem Unternehmen und kritisierten die Urheber des Shitstorms.

 

Wie schütze ich mich als KMU vor Shitstorms?

Freilich machen Sie als KMU keine nationale oder internationale Werbung und stehen auch nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit. Dennoch lohnt es sich, sich über Shitstorms Gedanken zu machen – und vor allem darüber, wie sie zu verhindern sind.

  1. Achten Sie bei Ihrem Online- und Social-Media-Auftritt (bzw. bei all Ihren öffentlichkeitswirksamen Bekanntgaben) darauf, dass politisch-sensible Themen nicht zu sehr in den Fokus rücken.
  2. Im Falle eines Shitstorms sollten Sie sofort reagieren – und keinesfalls Kommentare oder dergleichen löschen. Freilich – sollten Sie hinter Ihrer Message stehen wollen – sollten Sie auch nie von Ihren Überzeugungen abrücken. Manchmal erfordert das jedoch die Gefährdung des Umsatzes…
  3. Nach einem Shitstorm sollten Sie versuchen, Ihre Kundenbeziehung wieder herzustellen, sei es über Presserklärungen oder Gewinnspiele oder dergleichen – ihr Ziel sollte es jedenfalls sein, den Shitstorm so schnell wie möglich vergessen zu machen!

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